Vereinsporträt des TSV Buchbach im Kicker

Wenn sich die gut gebräunte Grillsau dreht und der würzige Bratenduft durch die SMR-Arena wabert, erinnert das unwillkürlich immer ein wenig an die Geschichten von jenem unbeugsamen gallischen Dörfchen, dessen Protagonisten am Ende jeder erfolgreichen Schlacht haufenweise Wildschweine vertilgen.

2. Abteilungsleiter Georg Hanslmaier bei der Spielanalyse mit Anton Bobenstetter

2. Abteilungsleiter Georg Hanslmaier bei der Spielanalyse mit Anton Bobenstetter

Auf dem Weg aus den untersten Amateurklassen bis hin zur Regionalliga Bayern haben auch die Buchbacher viele erfolgreiche Schlachten geschlagen und dabei sogar einen Rekord aufgestellt, der der kleinen Marktgemeinde mit den etwa 3000 Einwohnern bundesweit Schlagzeilen eintrug und der erfolgreichen Mannschaft um Trainer Anton Bobenstetter sogar einen Auftritt im „Aktuellen Sportstudio“ bescherte: Vom 19. August 1995 bis einschließlich 17. Mai 1998 blieben die Rot-Weißen in 75 Ligaspielen ungeschlagen. Diese Marke wurde zwar im August 2003 vom TSV Stahl Riesa überboten, in Bayern ist es bislang ein einmaliger Erfolg und damit so etwas wie die Geburtsstunde von „Mia san Kult“, dem Mottospruch, der auf den Trikots mit einem Nackenschriftzug verewigt ist.

Hat Kult oftmals etwas leicht Angestaubtes, so ist der oberbayerische Provinzverein aus dem Landkreis Mühldorf, der mit dem Landesliga-Aufstieg 2004 erstmalig auf Verbandsebene in Erscheinung trat, quicklebendig. Mit den Erfolgen wuchs die Infrastruktur, die Heimspiele werden zelebriert und bekamen nach und nach Volksfest-Charakter: Von Grillsau und Steckerlfisch über Pfannen-Gyros oder Rehragout mit Hauberling bis hin zur gegrillten Ente und dem Wies’n-Hendl,  kulinarisch ist in der SMR-Arena neben dem Standardrepertoire von selbstgebackenem Kuchen, Leberkäs-Semmel, Grillsteak, Käse-Griller und Ginos „weltberühmter Pizza“ immer was geboten.

Legendär ist das erste Heimspiel nach der Winterpause Anfang März 2005, als sich halb Buchbach mit Schneeschaufeln bewaffnete. Zum Entsetzen der gegnerischen Spieler vom FC Augsburg II befand der Schiedsrichter das von Schneebanden umrahmte Restgrün als spieltauglich und mit dem 2:1-Erfolg legte die Mannschaft um den damaligen Kapitän Sepp Kupper den Grundstock zum Klassenerhalt. Der jetzige Teammanager erzielte das vorentscheidende 2:0 höchstpersönlich, hatte ob seiner Körpergröße aber vor allem Glück, dass er bei der Ausführung seiner gefürchteten Eckbälle nicht in den Wasserlöchern ertrunken ist.

Eine weitere Vereinsikone aus der Frühzeit der Erfolgsgeschichte ist 2. Abteilungsleiter Georg Hanslmaier, der als einziger alle 75 Rekordspiele absolviert hat und dem Nachbarn das Bier so schnell austrinken kann, wie er selbst spricht. Von  seinen Flankenläufen habe sich die Grasnarbe – so heißt es in Buchbach – erst viele Jahre später erholt. Ob Tormaschine Stefan Hillinger, Dauerbrenner Manuel Neubauer, Rakete Stefan Lex oder Freistoß-König Ralf Klingmann – im Gegensatz zu den Galliern mit ihren vielen Gottheiten, verehren sie in Buchbach nur einen: Thomas Penker, Fußballgott! Wie alle Kicker, die bislang das Buchbacher Kulttrikot übergestreift haben, war auch der kaum bezwingbare Zerberus, der von der Bezirksliga bis zur Bayernliga zwischen den Pfosten stand, reiner Amateur. Ob Elektriker wie einst Penker, Bäcker, Lagerist oder Student – sie alle trotzen schon in der vierten Spielzeit erfolgreich den Hochveranlagten aus den Leistungszentren der Bundesligisten und den Profis aus den Traditionsvereinen.

Mit jedem der sieben Aufstiege seit 1996 – sechs davon unter der Regie von Bobenstetter – wurden die Gegner namhafter, die Städte größer, doch welche Feldherren auch immer kamen, sie alle haben irgendwann die Wehrhaftigkeit des kleinen Fußball-Dorfes an der Grenze zu Niederbayern erfahren: Vom B-Schein-Inhaber bis zum Bundesligatrainer! Wie etwa Thomas Tuchel, der im November 2006 mit dem FC Augsburg II 1:2 geschlagen wurde.

Anders als der gallische Dorfchef Majestix fürchtet Buchbachs Fußball-Boss weder,  dass ihm die aus Emissionsgründen spärlich Licht spendende Flutlichtanlage, noch der Himmel auf den Kopf fallen könnte: Sorgenfalten bekommt Günther Grübl, der die besten Ideen immer in der Badewanne hat, nur dann, wenn Rauchwaren zur Neige gehen könnten oder der Verlust des Buchbacher Fußball-Gens droht, das von Kampfkraft, Willensstärke, Zusammenhalt, Respekt und Kontinuität geprägt ist. Die Ingredienzien des Zaubertranks sind zwar bekannt, die jeweils passende Rezeptur für immer weitere Buchbacher Fußballwunder ersinnen Grübl und Bobenstetter – der Oberdruide geht bereits in seine 17. Saison – ganz offensichtlich immer wieder neu.

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