Friedliches Fußball-Märchen beim 1:0-Sensationssieg trotz einiger Missklänge

Der TSV Buchbach kann auch die Löwen, das haben die Rot-Weißen am Mittwoch eindrucksvoll auf und neben dem Platz demonstriert. Natürlich war der sensationelle 1:0-Erfolg, den auch der ehrgeizige Löwen-Trainer Daniel Bierofka als „in Ordnung“ befand, für die Buchbacher das unerwartete Sahnehäubchen auf der Festtagstorte, die sich die Gastgeber selber gebacken haben: „Alles friedlich, alles ist wie am Schnürchen gelaufen“, so das organisatorische Fazit.

„Wir haben von allen Seiten Lob bekommen“, freuen sich Abteilungsleiter Günther Grübl und Sportlicher Leiter Georg Hanslmaier nach der „Mammutaufgabe“ als erster Dorfverein der Liga ein Gastspiel der Löwen zu organisieren. „Ein Riesenkompliment an die Gemeinde, die Feuerwehr, die Polizei, die Sicherheitskräfte und an den ganzen Verein, die dieses Märchen, dieses riesige Fest ermöglicht haben“, bedankte sich 2. Abteilungsleiter Hanslmaier stellvertretend. Das im Vorfeld auch mit dem Verband erarbeitete Sicherheitskonzept dürfte jetzt zur Blaupause für weitere Löwenauftritte bei anderen kleinen Vereinen werden, die nicht über die Infrastruktur verfügen, die für solche Großereignisse eigentlich nötig wären.

Dass der Sieg der Buchbacher durch das Eigentor von Felix Weber (10.) verdient war, haben auch viele Löwen-Fans, wenn auch zähneknirschend, bestätigt. Buchbachs Trainer Anton Bobenstetter, selbst glühender Löwen-Fan, erklärte: „Wir wussten, dass wir eine Chance haben, wenn wir lange genug stabil bleiben. Ich freue mich für unsere Fans, für die dieser Sieg natürlich ein Highlight ist. Grundsätzlich  müssen wir aber unsere Punkte gegen andere Gegner einfahren. Das ist nur eine Momentaufnahme.“

Hanslmaier zeigte für die Enttäuschung von Bierofka Verständnis, nicht aber dafür, dass sich dessen Frust auch auf Kosten der Buchbacher entlud. „Das ist schon dünnhäutig. Wir werden fast bei jedem Auswärtsspiel als Bauernbuam verhöhnt. Das spornt uns an“, kommentierte Hanslmaier den Buchbacher Kabinengesang über „Giesinger Bauern“, den Bierofka stinksauer als mangelnden Respekt vor dem Gegner kritisierte. „Ich habe Respekt vor Buchbach, ich habe Respekt vor jedem Zuschauer hier, aber was dann in der anderen Kabine los ist mit ‚Giesinger Bauern‘, das kann ich nicht akzeptieren. Ich habe Respekt vor der Mannschaft, ich habe Respekt vor den Spielern. Dementsprechend sollte man auch Respekt vor meinen Spielern haben. Nur das erwarte ich, alles andere nicht“, sprachs und ließ den etwas irritierten Bobenstetter bei der Pressekonferenz nach dem Spiel allein mit Stadionsprecher Thomas Föckersperger im Regen stehen.

„Das sind Emotionen nach dem Spiel. Da muss man drüberstehen. Wir können nichts dafür, dass seine Prinzen schlecht Fußball gespielt haben“, so Hanslmaier, der bei einem der beiden Buchbacher Hauptsponsoren arbeitet: „Ich habe jeden Tag mit ‚Bauern“ zu tun, wir verdienen unser Geld mit den Bedarf der Landwirte. Für uns ist der Stand der Bauern nichts Negatives. Ganz im Gegenteil, wir haben Achtung vor den Bauern, wir wissen ja schließlich wo wir herkommen. Wir sind nun mal auf dem Land.“

Schon vor der Partie hatte Bierofka vergeblich versucht, seine Mannschaft vor Buchbach zu warnen: „Da wird versucht, mit allen Mitteln den Rhythmus des Gegners zu brechen und am Rande des Erlaubten agiert.“ Das hätte Hanslmaier an sich nicht weiter gestört, aber nachdem bereits in der Woche zuvor Schaldings Spielertrainer Stefan Köck (32) Buchbach als die „nachweislich unfairste Mannschaft der Liga“ bezeichnet hat und Rosenheims Trainer Tobias Strobl (29) vor der Derby-Niederlage getönt hat, dass Buchbach im Allgemeinen und Bobenstetter im Speziellen die Werte des Fußball zerstörten, wehrt sich der Buchbacher Funktionär.  „Wir werden hier öffentlich als Treter-Truppe dargestellt, nur weil wir letzte Saison, auf dem letzten Platz der Fairplay-Tabelle waren. Das geht gar nicht“, so Hanslmaier, der ausführt: „Wir sind jetzt das sechste Jahr in der Regionalliga, haben eine Saison komplett ohne Rote Karte gespielt, waren im oberen Drittel der Fairplay-Tabelle, da hat keiner ein Wort darüber verloren. Letzte Saison haben wir haben wir auch deswegen bis zur letzten Sekunde gegen den Abstieg gespielt, weil unsere Spieler zusammengetreten wurden und über Monate ausgefallen sind. Selbst in den letzten beiden Spielen gegen Sechzig und in Rosenheim, als es um alles ging, haben wir einmal zwei und einmal drei Gelbe bekommen. Das sieht für mich nicht nach Treter-Truppe aus.“ Die Aktion in der Nachspielzeit, in der Maxi Hain kurz nach seiner Einwechslung die Rote Karte gesehen hat, bezeichnet Hanslmaier als „übermotiviert“ und macht klar: „Das tut ihm selber doch am meisten leid, das war nicht beabsichtigt.“

Grundsätzlich sieht Hanslmaier, wie im Fußball ja allgemein üblich, einen elementaren Unterschied zwischen den 90 Minuten auf dem Platz und den Dingen, die im Vorfeld und im Nachgang passieren: „Selbst wenn auf dem Platz die Emotionen überkochen, gibt man sich danach wieder die Hand. Gerade unter Trainern gibt es einen Kodex, der jetzt zum wiederholten Male verletzt wurde. Was junge Trainer wie Strobl und Köck, die ganz am Anfang stehen, da absondern, das ist respektlos. Diese Trainer aus der Sozialmedia-Generation sollten erst mal erwachsen werden.“

Fotos & Text: © mb.presse, weitere Veröffentlichungen nur mit Zustimmung des Autors

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