Buchbacher Rekordspieler nach 187 Einsätzen und 53 Toren weiter tatendurstig

187 Einsätze und 53 Tore – Aleksandro Petrovic hat in der Fußball-Regionalliga Bayern Maßstäbe gesetzt: Der Buchbacher Mittelfeldspieler, der noch bis 2020 Vertrag hat, ist aber längst noch nicht satt. „Rekorde sind dazu da, um gebrochen zu werden, aber ich will die Latte schon noch etwas höher legen“, sagt der 29-Jährige, der einige hartnäckige Verfolger hat.

Mit 185 Einsätzen in Bayerns Eliteliga ist ihm der Bayreuther Dominik Schmitt knapp auf den Fersen und Schmitt ist vier Jahre jünger. In der ewigen Torschützenliste hat Petrovic erst Ende November durch seinen Treffer beim 2:2 gegen den FV Illertissen mit Ex-Bayer Karl-Heinz-Lappe gleichgezogen, der jetzt beim FSV Mainz II stürmt. Auch die nächsten Verfolger Christopher Bieber und Dominik Stolz (beide 51 Tore) muss Petrovic nicht fürchten, da Bieber in der 3. Liga bei Rot-Weiß Erfurt unter Vertrag steht und Stolz mittlerweile in Luxemburg kickt. Gefahr droht vielmehr durch den Rosenheimer Danijel Majdancevic (29), der bei 50 Treffern steht, aber auch Löwe Markus Ziereis (25) hat mit 47 Toren die Verfolgung aufgenommen. Selbst in den eigenen Reihen gibt’s ernst zu nehmende Konkurrenz, denn Stefan Denk (27) hat auch schon 45 Regionalliga-Buden auf seinem Konto.

Bereits seit knapp sieben Jahren streift sich Petrovic das Trikot der Rot-Weißen über, dass es überhaupt dazu gekommen ist, war eher Zufall: Sein Kumpel Sandro Volz, seit Sommer 2010 im Buchbacher Tor, schleppte ihn einfach mal zum Training beim damaligen Bayernligisten mit. Der Anfang war hart und zäh: „Ich bin ja aus einer ganz anderen Welt gekommen und hatte mit Buchbach nichts am Hut. Den Verein kannte ich nur, weil mein Vater mit SK Srbija einmal in Buchbach gespielt hat.“ Nach seinem Abschied von Drittligisten Dynamo Dresden, für den er 30 Spieler bestritten hat, war der damals 23-jährige Profi arbeitslos und reichlich desillusioniert, hatte er doch schon in jungen Jahren die Härten des Profi-Fußballs erfahren müssen. „Natürlich habe ich auch Fehler gemacht“, erinnert sich Petrovic, der 1991 mit seiner Familie in den Kriegswirren aus dem damaligen Jugoslawien geflohen und im Münchner Stadtteil Giesing aufgewachsen ist.

Sein ersten Schritte als Fußballer machte er dann mit fünf Jahren beim SV Stadtwerke, ehe er 1996 in den Nachwuchs des FC Bayern wechselte, alle Jugendmannschaften durchlief und in einigen Jahrgängen sogar Kapitän war. Dem Hochbegabten stand die große Fußballbühne offen, doch damals dachte der Jungstar noch, dass ihm alles zufliegen würde. Weit gefehlt: Abschied vom FC Bayern, Probetraining beim SSC Neapel in Italien und beim FC Groningen in Holland. Beide Clubs wollen ihn, doch Petrovic möchte mehr und landet stattdessen für eine Spielzeit beim FK Zemum in der serbischen Prva Liga, zwei Jahre in Dresden mit einigen Höhen und viel größeren Tiefen folgen.

„Wir haben da einen im Training, der es echt drauf hat, bis er aber halbwegs fit ist und einigermaßen Bayernliga spielen kann, dauert das noch Wochen“, urteilte Anton Bobenstetter, schon damals zum dritten Mal Trainer in Buchbach, über den Trainingsgast. Am 20. März 2011 ist dann aber so weit: Beim 1:0 über den Würzburger FV wird Petrovic Mitte der zweiten Halbzeit eingewechselt und ist nach  225 Spielen für die Rot-Weißen nicht mehr wegzudenken.

„Die Ehe passt“, ist sich Petrovic nach knapp sieben Jahren sicher und Sportlicher  Leiter Georg Hanslmaier schwärmt: „Ali ist ein richtig geiler Kicker und ein unglaublicher Leader.“ Liebe auf den ersten Blick war der Provinzclub für das Stadtkind nicht, doch längst schätzt und lebt Petrovic, die Buchbacher Philosophie von Kontinuität und Freundschaft, von Fleiß und Maloche im Amateurfußball. „Beide Seiten haben enorm von einander profitiert. Er ist seit Jahren reiner Amateurspieler, denkt aber wie ein Vollprofi“ so Hanslmaier über den Verwaltungsfachangestellten der Stadt München, der seinerseits anmerkt: „Der Aufwand ist schon enorm, gerade in englischen Wochen. Die Profi-Vereine der Liga trainieren ja allein in zwei Tagen so viel, wie wir in der ganzen Woche. Da mithalten zu können, ist aber auch der große Reiz.“

Eine wichtige Rolle spielt natürlich auch das längst „freundschaftliche Verhältnis“ zu Trainer Bobenstetter: „Er weiß, wie er mit mir umgehen muss, aber er lässt mir meine Freiheiten. Das mussten wir uns erarbeiten, zumal sich seine und meine Philosophie von Fußball deutlich unterscheiden. Wir sprechen oft unter vier Augen, das ist kein stinknormales Verhältnis zwischen Spieler und Trainer. Letztlich weiß aber jeder genau, was er von dem anderen bekommt.“ Anfragen aus dem Profibereich gab es in all den Jahren immer wieder. „Damit habe ich mich nie mehr ernsthaft befasst, aber ich bin überzeugt, dass es viele Spieler in der Regionalliga Bayern gibt, die einem Drittligisten als Stammspieler weiterhelfen würden.“

Auch wenn sein Fußball-Herz längst rot-weiß schlägt, noch größer ist seine Liebe zu Roter Stern Belgrad: „Irgendwann werde ich den Verein als Tattoo auf meiner Haut verewigen. Die Fans in meiner Heimat klammern sich an diesen Verein, er gibt ihnen Hoffnung und bei Niederlagen leiden und weinen sie, das ist unbeschreiblich.“ Natürlich verfolgt auch Petrovic alle Spiele von Roter Stern möglichst live im Fernsehen oder Internet, nicht immer zur Begeisterung seiner Nachbarn: „Beim  Europa League Spiel Anfang Dezember gegen Köln war ich ganz allein in der Wohnung, aber nach dem 1:0 sind die Nachbarn runtergekommen und haben gefragt, ob es vielleicht doch etwas leiser ginge.“

Fotos & Text: © mb.presse, weitere Veröffentlichungen nur mit Zustimmung des Autors

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