Fast immer, wenn in den letzten 18 Jahren in der Buchbacher SMR-Arena ein Fußballspiel angepfiffen wurde, stand Manuel Neubauer auf dem Platz. Für den 37-Jährigen, der im Mai seine Karriere beendet hat, haben sich die letzten Wochen irgendwie seltsam angefühlt: Keine Vorbereitung, keine schweißtreibenden Einheiten, stattdessen viel Papierkram, Gespräche, Telefonate, um als Leiter den neuen Stützpunkt in Buchbach voranzubringen.

468 Pflichtspiele hat Manu Neubauer im Herrenbereich absolviert, davon allein 436 für den TSV Buchbach, für den er 91 Pflichtspieltreffer erzielt hat – damit ist er absoluter Rekordspieler der Rot-Weißen. Mit den Vorbereitungs- und Freundschaftsspielen kommt Neubauer auf rund 600 Einsätze, davon 106 als Spielertrainer der zweiten Mannschaft. Mit 20 Jahren wechselte der Flügelstürmer von seinem Heimatverein TSV Haarbach, für den er in der A-Klasse 35 Treffer erzielt und zum Aufstieg geschossen hat, nach Buchbach. „Da haben mich alle belächelt, Buchbach hat in Niederbayern kein Mensch gekannt, aber Abteilungsleiter Günther Grübl hat mich einfach überzeugt.“ Inzwischen ist Grübl längst sein Schwiegervater und Neubauer wohnt seit zehn Jahren in der kleinen Marktgemeinde.

Mit Stefan Hillinger bildete er viele Jahre ein geniales Sturmduo bei den Ro-Weißen und konnte gleich in seiner ersten Spielzeit den Aufstieg in die Bezirksoberliga feiern. „Jeder Aufstieg war schön, aber der erste war wirklich das Highlight.“ Im ersten Entscheidungsspiel in Aschheim gegen Dachau erzielte Neubauer in der 119. Minute bei zwei Mann Unterzahl den entscheidenden Treffer, um den Buchbacher die nächste Runde in Obing gegen den SV Kirchanschöring zu sichern. Ohne Hillinger und Torhüter-Legende Thomas Penker, die in Aschheim Rot gesehen hatten, waren die Rot-Weißen klarer Außenseiter und zu allem Unglück zog sich Neubauer schon nach zehn Minuten eine schwere Steißbeinprellung zu: „Ich bin überhaupt nicht schmerzempfindlich, aber als ich da behandelt wurde, sind mir die Tränen in die Augen geschossen und ich habe im wahrsten Sinn des Wortes ins Gras gebissen.“ Trainer Anton Bobenstetter wollte Neubauer eigentlich schon auswechseln, doch der Jungspund biss die Zähne zusammen, kam zurück und erzielte in der 89. Minute das entscheidende 3:2. Nach einem weiteren Konter gewannen die Buchbacher schließlich 4:2, marschierten durch die Bezirksoberliga und stiegen nach vier Jahren von der Landes- in die Bayernliga auf. Nach weiteren vier Jahren ging es in die Belletage des bayerischen Fußballs, in die neu geschaffene Regionalliga Bayern und Neubauer war immer dabei, war immer einer der entscheidenden Spieler, der aufgrund seiner Schnelligkeit extrem viel Standards herausholte und der gegnerischen Defensive das Fürchten lernte. „Ich habe schon viel auf die Socken bekommen, aber immer, wenn ich dabei laut geschrien habe, war es eigentlich nicht wirklich schlimm. Meine Mitspieler haben schon gewusst, dass es nur dann ernst war, wenn man keinen Mucks von mir gehört hat.“

Verletzungen gab es in der langen Laufbahn von Neubauer natürlich jede Menge, einschließlich eines Kreuzbandrisses. „Ich bin nach vier Monaten wieder auf dem Platz gestanden und habe wieder Fußball gespielt“, erinnert sich Neubauer und blickt zurück: „Ich wollte nach jeder Verletzung schnellstmöglich wieder auf den Platz, deswegen hat mich eigentlich jeder Verletzung stärker gemacht, weil ich solange trainiert habe, bis ich wieder kicken konnte.“ Schon als junger Bursche haben Verletzungen Neubauer nicht vom Fußballspielen abgehalten. Mit einem Gipsbein wurden da fleißig Fallrückzieher geübt: „Ein Spezl hat die Bälle geworfen, mit dem Gips war das ideal, weil man da den Ball satt getroffen hat, aber dann hat das meine Mutter mitbekommen und da gab’s dann mächtig Ärger. Und auch der Arzt staunte nicht schlecht, als er den grasgrünen Gips sah. Klar, dass da der nächste Anschiss fällig war. Selbst die Schule musste bei Neubauer hinten anstehen: „Ich hätte eigentlich aufs Gymnasium oder die Realschule gehen können, aber ich habe dann absichtlich schlechte Noten geschrieben, weil ich lieber mit meinen Spezln auf den Bolzplatz wollte. Das war natürlich schön dumm, aber Fußball war halt immer meine größte Leidenschaft.“ Mehrere Stunden täglich wurde gekickt und so ohne NLZ die Grundlagen für eine wohl einzigartige Karriere geschaffen: Bis auf die Kreisklasse hat Neubauer von der A-Klasse bis zur Regionalliga in jeder Liga gespielt, nach zwölf Spielzeiten mit vier Aufstiegen in der ersten Mannschaft wechselte der Fußballverrückte in die zweite Mannschaft der Rot-Weißen, agierte dort die letzten vier Jahre als Spielertrainer und schaffte in der Saison 2017/18 noch mal einen Aufstieg von der Kreis- in die Bezirksliga: „Das war dann noch mal ein richtiges Highlight. Und natürlich war auch der frühzeitige Klassenerhalt eine super Sache, so dass ich die letzten Spiele meiner Karriere noch richtig genießen konnte.“

Fotos und Text: © mb.presse, weitere Veröffentlichungen nur mit Zustimmung des Autors

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