Erst am Donnerstag verpflichtet und schon am Freitag der Held, so schnell kann’s gehen: Mit seinem Kopfball-Treffer in der 92. Minute entschied Philipp Maier das spannende Regionalliga-Derby in Buchbach zugunsten des SV Wacker Burghausen. „Für uns ist dieses Tor nach einem Standard zu diesem Zeitpunkt ganz bitter“, so Buchbachs Trainer Markus Raupach, der noch am Sonntag gestand: „So ganz habe ich das immer noch nicht verdaut.“

Riesenjubel hingegen bei den Wacker-Kickern, die nach dem Treffer nur 20 Sekunden auf den Schlusspfiff warten mussten, ehe sie den Derbysieg ausgelassen mit den Fans feiern durften. Auch später in der Kabine skandierten sie immer wieder „Auswärtssieg“, die Erleichterung nach der Heimpleite gegen Memmingen war auch bei Trainer Wolfgang Schellenberg groß: „Das war ein ganz anderer Auftritt als letzte Woche. Natürlich ist es glücklich, wenn man so spät den Siegtreffer macht, aber wir hatten auch schon umgekehrte Situationen wie etwa beim Lattentreffer von Christoph Buchner in der Nachspielzeit gegen Rain. Und unterm Strich hatten wir deutlich mehr Ballbesitz. Für Philipp ist das natürlich ein überragender Einstand in seinem ersten Spiel.“

Das Chancenverhältnis bis zum ultraspäten Siegtreffer von Maier war hingegen bis dato in etwa ausgeglichen. Die Wahrscheinlichkeit, dass ausgerechnet der Kienberger, der in 110 Regionalliga-Spielen für 1860 Rosenheim gerade mal vier Tore erzielt hat, zum Siegtorschützen würde, lag noch nicht einmal bei 0,04 Prozent, doch das spielt halt bei den Geschichten, die der Fußball schreibt, keine Rolle. Wahrscheinlicher wäre da schon gewesen, dass Buchbachs Thommy Breu nach Flanke von Christian Brucia mit einem Kopfball gegen die Laufrichtung seines ehemaligen Mannschaftskollegen Egon Weber die Führung erzielt hätte, wenn nicht noch ein Burghauser auf der Linie geklärt hätte (24.). Oder auf der anderen Seite ein Treffer durch Julien Richter, der nach einer Buchbacher Fehlerkette allein auf Daniel Maus zustürmte, den Ball aus spitzem Winkel aber nicht im Tor unterbrachte (30.). Weil auch andere Fachkräfte fürs Toreschießen wie Selcuk Cinar, dessen Fallrückzieher geblockt wurde (35.) und dessen 30-Meter-Schuss Weber entschärfte (64.), ebenso wenig trafen wie Denis Ade, dessen Kopfball nicht platziert genug war (62.), sah es eigentlich nach dem ersten Unentschieden im zwölften Vergleich zwischen den beiden Mannschaften aus. „Mit dem 0:0 hätten wir sehr gut leben können“, erklärt Mathe-Lehrer Raupach, der freilich weiß, dass Stochastik im Fußball schon eine Rolle spielt: „Eine gewisse Häufung von Toren in der Schlussphase ist ja nichts Neues.“

Die 1 140 Zuschauer sahen insgesamt ein durchaus rasantes Derby mit gutem Tempo. Dass es dabei zu keinem Chancenfestival kommen würde, war von vornherein ziemlich klar. „Wir wussten ja, dass Buchbach sehr kompakt spielt und auf unsere Fehler lauern würde. Deswegen wollten wir dem Gegner auf keinen Fall ins offene Messer laufen“, so Schellenberg. Auf der anderen Seite verhinderte bei den Buchbacher Umschaltsituationen fehlende Präzision beim letzten Pass mehr Abschlüsse. „Wir müssen die Jungs jetzt wieder aufrichten und nach vorne schauen. In Rain erwartet uns ein ganz anderes Spiel“, sagt Raupach, dessen Team bis auf Schweinfurt nun schon gegen alle Mannschaften aus der oberen Tabellenhälfte gespielt hat.

TSV Buchbach: Maus – Grübl, Hain, Leberfinger, Rosenzweig, Bahar (53. Orth) – Walleth, Petrovic – Brucia, Cinar (90. Winterling), Breu (83. Manhart). Trainer: Raupach/Bichlmaier.

SV Wacker Burghausen: Weber – Stingl, Hingerl, Aigner, Scheidl – Maier, Subasic –– Ade, Richter (86. Maier) – Bosnjak, Ammari. Trainer: Schellenberg.

Tor: 0:1 Maier (90. + 2)

Schiedsrichter: Kreye (Warmensteinach)

Zuschauer: 1 140

Gelb: Bahar, Petrovic, Grübl, Walleth – Hingerl, Scheidl, Stingl, Ade

Fotos und Text: © mb.presse, weitere Veröffentlichungen nur mit Zustimmung des Autors

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